Vortrag Dresden | Entwicklung sozialer Unterschiede im Rauchverhalten (1984-2006)

Am 27.10.2007 werde ich im Rahmen des 2. Nationalen Präventionskongresses in Dresden folgenden Vortrag halten:

Entwicklung sozialer Unterschiede im Rauchverhalten zwischen 1984 und 2006 – Eine Analyse mit Daten der Gesundheitssurveys des Robert Koch-Institutes
Autoren:
Lars Eric Kroll, Thomas Lampert

Korrespondenzadresse:

Lars Eric Kroll, Robert Koch-Institut, Postfach 650261, 13302 Berlin, E-Mail: L.Kroll@rki.de

Abstract:
Tabakkonsum erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit vieler Krankheiten und verursacht erhebliche gesellschaftliche Folgekosten. Trotzdem ist der Raucheranteil in Deutschland innerhalb der letzten 20 Jahre bei Männern nur geringfügig zurückgegangen und bei Frauen sogar noch leicht angestiegen [1]. Über die Entwicklung sozio-ökonomischer Unterschiede im Rauchverhalten liegen bisher nur wenige Erkenntnisse vor. Nachfolgend wird sie für den Zeitraum 1984 bis 2006 anhand von Daten bundesweiter Gesundheitssurveys dargestellt.

Die Daten des Robert Koch-Instutes ermöglichen Aussagen zur Entwicklung des Tabakonsums seit 1984 (neue Bundesländer ab 1991) bei Männern und Frauen. Sie erfassen Personen im Alter zwischen 25 und 69 Jahre (n= 47.283) im Zeitverlauf. Die Studien enthalten vergleichbare Indikatoren zum schulischen und beruflichen Bildungsabschluss, Berufsstatus und Einkommen der Befragten. Anhand dieser Informationen wird ein dreistufiger Index des sozio-ökonomischen Status (niedrig, mittel, hoch) konstruiert [2,3]. Das Rauchverhalten der Befragten wird über Angaben zum aktuellen Tabakkonsum erfasst. Die Entwicklung der Prävalenz des aktuellen Rauchens in den drei Statusgruppen (altesstandardisiert, Bevölkerungsstand 31.12.2004) wird differenziert für Geschlecht und Wohnregion (alte oder neue Bundesländer) dargestellt. Anhand von logistischen Regressionsmodellen werden die deskriptiven Befunde multivariat abgesichert.

Die Ergebnisse zeigen eine geschlechtsspezifische Entwicklung der sozialen Unterschiede im Tabakkonsum. Bei westdeutschen Männern ist der Anteil von aktuellen Rauchern seit 1984 in allen drei Statusgruppen leicht gesunken. Bei Männern aus den neuen Bundesländern ist die Rauchprävalenz zwischen 1991 und 1998 konstant geblieben und seither nur in der Gruppe mit hohem Sozialstatus etwas zurückgegangen. Bei westdeutschen Frauen verringerte sich der Anteil aktueller Raucher seit 1984 nur in der oberen Statusgruppe, in der unteren und mittleren Statusgruppe nahm er dagegen weiter zu. Bei Frauen aus den neuen Bundesländern ist der Anteil aktueller Raucher zwischen 1991 und 1998 in allen Statusgruppen deutlich angestiegen. Nach 1998 hat sich der Anteil in der unteren und mittleren Statusgruppe stabilisiert, während bei Frauen mit hohem Sozialstatus erstmals ein leichter Rückgang zu beobachten war. Die multivariaten Analysen weisen im Zeitverlauf bei Männern und Frauen aus den alten und neuen Bundesländern auch nach Kontrolle des Alters signifikante Statusunterschiede im Rauchverhalten aus. Eine signifikante Verschärfung dieser Statusunterschiede wurde im Untersuchungszeitraum nur bei westdeutschen Frauen beobachtet.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass mit den bundesweiten Gesundheitssurveys eine umfassende Datengrundlage für die Analyse von zeitlichen Trends im Gesundheitsverhalten zur Verfügung steht. Vergleichbare Befunde zur Entwicklung von Statusunterschieden im Tabakkonsum liegen auch aus anderen europäischen Staaten vor [4]. Der fortwährende Anstieg des Tabakkonsums bei westdeutschen Frauen mit niedrigem Sozialstatus verweist auf die anhaltend hohe Bedeutung von zielgruppenspezifischen Präventionsmaßnahmen.

[1] Lampert T, Burger M. Verbreitung und Strukturen des Tabakkonsums in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2005; 48: 1231-1241

[2] Winkler J, Stolzenberg H. Der Sozialschichtindex im Bundes-Gesundheitssurvey. Das Gesundheitswesen 1999; 61: 178-183

[3] Lampert T, Kroll LE. Messung des sozio-ökonomischen Status in sozialepidemiologischen Studien. In: Richter M, Hurrelmann K (Hrsg). Gesundheitliche Ungleichheit. Grundlagen, Probleme, Konzepte. Wiesbaden: VS-Verlag, 2006: 295-312

[4] Giskes K, Kunst AE, Benach J et al. Trends in smoking behaviour between 1985 and 2000 in nine European countries by education. J Epidemiol Community Health 2005; 59: 395

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